Drei (Glück-)Wünsche an DRadio Wissen

(Foto: Deutschlandradio)

Am 18. Januar 2010 ist DRadio Wissen als drittes (und rein digitales) Programm des Deutschlandradios gestartet. Heute hat das junge Informationsradio rund 900.000 Streamabrufen pro Monat. So weit so gut? Ich habe dreimal Lob für und drei Wünsche an das Geburtstagskind.

Mir gefällt, wie DRadio Wissen das Internet ins Radio trägt.

Wer die klassische Presseschau schon in Kurzform in den Nachrichten am Vorabend abhandelt, hat Platz im Programm für die tägliche Web-Schau (z.B. hier), der Netzreporter streut immer wieder kleine Internet-Häppchen ins Programm, an Samstagen wird im Online-Talk eine Stunde über ein Netz-Thema gesprochen oder es werden Blogger vorgestellt. Alle zwei Stunden geht es im sogenannten Medien-Quadranten 15 Minuten lang ziemlich oft ums Netz. Diesen Medien-Quadranten halte ich für eine ziemlich kluge Idee, da er nicht die klassische Trennung zwischen Medienmagazin und Computer- bzw. Internetsendung macht, sondern Medien im erweiterten Sinne behandelt – und die spielen in unserem Alltag eben eine ziemlich wichtige Rolle.

Ich wünsche mir, dass DRadio Wissen noch mehr Radio ins Internet trägt.

Intendant Willi Steul bezeichnet DRadio Wissen als das erste Rundfunkprogramm, das klassisch gemacht wurde, aber das Internet von vornherein mitdenken musste. All zu oft höre ich aber noch ein Teasing wie „mehr Informationen auf unserer Internetseite“, nach einem Jahr hat der Sender nicht einmal eine Facebook-Seite. Es gab aber auch einige gute Ideen: Die Wissensnachrichten stehen zum Beispiel mittlerweile unter einer CC-Lizenz. Die Einzelteile der Beiträge der Netaudio-Reihe von Christian Grasse und Jochen Dreier wurde zum Download veröffentlicht, Hörer und Nutzer konnten sich daraus einen eigenen Remix basteln. Alles in allem halte ich DRadio Wissen online bisher aber nicht für besonders experimentierfreudig. NPR hat bewiesen, welche Wirkung es haben kann, wenn Radio intelligent auf seine klassischen Stärken setzt und voll und ganz die neuen Möglichkeiten nutzt. Ich fände es schön, wenn DRadio Wissen in dieser Hinsicht das deutsche NPR werden würde.

Mir gefällt, dass DRadio Wissen die Hörer hinter die Kulissen lauschen lässt.

Die Sendung Redaktionskonferenz ist im Prinzip eine geniale Idee: Am Abend kommen die Redakteure zusammen und diskutieren über den Tag und das gelaufene Programm gemeinsam mit den Hörern, die sich online einklinken können. So stellen die Nachrichtenredakteure zum Beispiel auch Themen vor, die es nicht ins Programm geschafft haben – und erklären warum. In jeder Sendung gibt es einen oder mehrere Gäste, oft auch von Uni-Radios.

Ich wünsche mir aber, dass der Sender sich mehr öffnet.

Ich fände es schön, wenn bei der Redaktionskonferenz mehr diskutiert würde – unter den Redakteuren und zwischen Programm-Machern und den Hörern und Nutzern. Bisher scheinen über Twitter und die Kommentarfunktion auf der Homepage noch nicht besonders viele Reaktionen zurückzukommen. Wahrscheinlich würden andere Mittel besser funktionieren, z.B. eine fHörer-Auswertung per Telefon als feste Rubrik oder eben eine Facebook-Seite. Auch das Potenzial des Redaktionsblogs halte ich bisher nicht für ausgereizt. Er wäre eine gute Möglichkeit, die Hörer und Nutzer an der Weiterentwicklung des Senders teilhaben zu lassen. Das ist bisher nicht wirklich passiert. Die Einführung der Musiksendung am Samstag geschah zwar wohl auf Wunsch der Hörer – sie wurde aber erst per Pressemitteilung bekanntgegeben (z.B. hier bei radiowoche.de) und dann irgendwann im eigenen Blog. Vielleicht ändert sich das ja noch.

Mir gefällt (mittlerweile), dass DRadio Wissen ein Hintergrundmedium ist.

Nachdem ich zum Sendestart ziemlich viel DRadio Wissen gehört habe, schalte ich den Sender mittlerweile deutlich seltener ein – und das, obwohl ich ihn zuhause über mein DAB-Radio und mein WLAN-Radio und unterwegs über mein Smartphone empfangen kann. Er ist für mich zu einem Ergänzungsmedium geworden. Wenn ich nicht viel Zeit habe und schnell und aktuell informiert werden will, höre ich morgens den Deutschlandfunk oder den ganzen Tag über MDR Info, SWR Cont.ra, NDR Info & Co. DRadio Wissen ist durch die Einteilung in Themen-Quadranten wie „Natur“, „Kultur“ oder „Meine Zukunft“ und die Auswahl der Nachrichten für mich dafür nicht besonders geeignet. Ich kann dann gerne zuhören, wenn ich mich grundständig schon über die wichtigsten Dinge des Tages informiert habe. Am Anfang hat mich das fast ein bisschen geärgert, mittlerweile finde ich das gut und der Sender hat als eher hintergründiges Medium seinen festen Nischenplatz.

Ich wünsche mir, dass mich DRadio Wissen in Zukunft öfter überrascht.

DRadio Wissen ist mit dem Anspruch gestartet, ein Radiolabor zu sein. Intendant Willi Steul spricht sogar von einem „Sandkasten“ und fordert, dass die jungen Wilden von der Kette gelassen werden. Ich finde, dass DRadio Wissen mit dem an Jugendsender angelehnten Moderationsstil, dem schon nicht mehr ganz so elektronischen Sounddesign, den langen journalistischen Beiträgen und Interviews einen eigenen Klang geschaffen hat. Wirklich überrascht fühle ich mich beim Hören bisher aber noch nicht besonders oft. Redaktionsleiter Ralf Müller-Schmid hat Radiolab beim NPR-Sender WNYC als ein Vorbild bezeichnet. Auch ich halte die Sendung für ziemlich innovativ. Ich würde mich deshalb freuen, wenn aus dem geplanten Radiolabor öfter mal ein deutsches Radiolab wird.

Links:

– Die 10 wichtigsten Infos zu DRadio Wissen

– Was Bertolt Brecht über DRadio Wissen sagen würde

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