Fünf Thesen zur Zukunft des Radios

 

Deutschlandradio-Intendant Dr. Willi Steul (Foto: Deutschlandradio – Bettina Fürst-Fastré)

Hat Radio noch Zukunft? Darüber hat Deutschlandradio-Intendant Willi Steul heute Abend bei einer Veranstaltung der Universität Leipzig gesprochen. Steul hat fünf Thesen vorgestellt. Die zentrale Aussage: Das Radio bleibe ein Massenmedium, das sich nicht vom Internet verdrängen lassen dürfe.
Ausgegangen ist Steul von den Zahlen einer SWR-Studie, die sich so zusammenfassen lässt:
 
– 76 Prozent der Gesamtbevölkerung hören täglich Radio – und zwar durchschnittlich 177 Minuten lang, was 37 Prozent ihres gesamten Medienkonsums ausmacht.
– Unter den 10- bis 29-Jährigen hören nur noch 68 Prozent täglich Radio – und auch nur noch 123 Minuten täglich, was rund 27 Prozent ihres gesamten Medienkonsums ausmacht. Sie suchen zudem vor allem Unterhaltung und Service.
– Die Stärken des Radios sind unter anderem seine immer noch starke Reichweite, seine hohe Alltagseinbindung, die verschiedenen Formen der Nutzbarkeit (stationär und mobil), der Service und die emotionale Begleitung. 
– Die Schwächen des klassischen Radios liegen in seiner sinkenden Reichweite, seinen sinkenden Imagewerten (sowie die der Öffentlich-Rechtlichen im Allgemeinen), die mangelnde Fähigkeit einer modernen Interaktivität sowie die nicht vorhandene Möglichkeit zur zeitsouveränen Nutzung.
 
Zur Zukunft des Radios hat Willi Steul dann fünf Thesen präsentiert, die ich hier zusammengestellt habe:

Radio hat eine Zukunft als Massenmedium

 Ein Ende des linearen, terrestrisch verbreiteten Programms stehe nicht bevor, so Steul. Zwar würde das Radiohören bei den 10- bis 29-Jährigen doppelt so stark abnehmen wie in der gesamten Bevölkerung. Doch mit einer Flexibilisierung und Individualisierung bei den Möglichkeiten des Radiohörens könne man dem Trend entgegenwirken.

 
Online wird gleichberechtigt
 
In wenigen Jahren werde die Online-Ausspielung gleichberechtigt neben der linearen stehen. Dies habe deutliche Folgen für die Organisation der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. 
 
Doppelte Digitalisierung muss kommen
 
Die Digitalisierung der Radio-Produktion sei mittlerweile abgeschlossen, die Digitalisierung der Ausstrahlung im vollen Gange – und müsse auch erfolgen. Es müsse ein eigenständiges digitales, terrestrisches Netz geben, sonst habe das Radio keine Zukunft.
 
Es muss neue Ansätze bei der Programmentwicklung geben
 
Inhalte müssen linear und online eigene Werte schaffen, dabei aber auch komplementär sein.
 
Die Bedeutung der Marke wächst
 
Mit der Entwicklung und Verbesserung der Internetverbindungen und des Webradios wird es zu einer Ausdifferenzierung der Sendernutzung kommen. Für fast jede noch so kleine Hörer- und Interessengruppe könne es einen eigenen Sender geben. Von zunehmender Bedeutung sei daher die Unterscheidbarkeit der Programme. Man müsse sich immer präziser an den Wünschen der Hörer orientieren – ohne dabei allerdings ein Special-Interest-Programm zu werden. Die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks könne nur durch exzellente Inhalte erhalten bleiben.
 
Hinweis: Diesen Artikel hatte ich ursprünglich am 2. Juni 2010 in meinem Posterous-Blog veröffentlicht.

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