Wohin will die Tagesschau mit ihrem Twitter-Account?

(Screenshots: www.twitter.com/tagesschau)

Normalerweise gibt es über den Twitter-Account der Tagesschau (@tagesschau) automatisiert kurze Überschriften zu Artikeln auf tagesschau.de samt der dazugehörigen Links. An Wahlabenden wird der Account lebendig und leitet auch die Tweets anderer Nutzer weiter. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat für mich gezeigt, dass dieses Konzept nicht funktioniert. Die Tagesschau sollte sich bald entscheiden, wohin sie mit ihrem Twitter-Account will.

„Wir leiten an Wahlabenden – und vorerst nur dann – Tweets weiter, die uns auffallen, sei es durch besonders hohe Aktualität, Originalität oder ausgeprägten Sprachwitz.“ So heißt es in einem erklärenden Text auf tagesschau.de. Und so bekamen die über 36.000 Follower des Twitter-Accounts neben aktuellen Hochrechnungen und Politikerstatements auch einige unkommentierte Retweets zu lesen. Mir fiel es aber nicht immer ganz leicht, dabei die Originalität und den Sprachwitz zu erkennen. Problematisch fand ich es, wenn die Tagesschau wie hier unkommentiert Meinung weiterleitete:

Mir war die Haltung der Tagesschau-Redaktion zu dem Tweet unklar. Vetritt sie ebenfalls diese Meinung? Dass sie ihn nur neutral und ohne Standpunkt weiterleitet, halte ich für schwer vermittelbar.

Problematisch fand ich auch ich diesen Retweet:

Hier will ich gar nicht auf die inhaltliche Aussage des Tweets eingehen, sondern auf die angeführten Zahlen. Denn die CDU lag zu diesem Zeitpunkt in den Hochrechnungen bei rund 33 Prozent, die Linke bei rund 23 Prozent, was zusammen etwas mehr als 56 Prozent ergab. Somit hat die Tagesschau eine Falschinformation verbreitet, die sie bisher noch nicht korrigiert hat.

Auf tagesschau.de entschuldigte man sich schon im Vorfeld bei den Nutzern, denen die Retweets nicht gefallen, und versuchte zu beruhigen: „Wenn der „Roboter“ wieder übernimmt, also etwa ab Ende der Stimmauszählung, hören auch die Retweets wieder auf.“

Ich halte die Taktik mit automatisierten Tweets an normalen Tagen und den unkommentierten Retweets an Wahltagen für unglücklich. Prinzipiell sehe ich zwei sinnvolle Lösungen: Die Tagesschau macht ihren Twitter-Account auch zwischen den Wahlen „menschlich“, kommentiert zum Beispiel die Retweets, ordnet sie ein und kommuniziert mit den Nutzern. Vorbild wäre hier der Twitter-Account des ZDF, der das -wie ich finde- in der Regel ziemlich gut macht. Oder die Tagesschau belässt es auch an Wahlabenden auf Twitter bei reinen Fakten und Links. Nur so wie jetzt sollte es nicht bleiben.

Ein Kommentar

  1. Ich finde es zudem bedenklich, dass viele dieser Tweets dann z.T. als „RT @Tagesschau…“ retweeted wurden und so das Geschriebene auf einmal wie aus der Feder der Tagesschau und damit viel glaubhafter wirkte.

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